GP Bahrain in Sepang: Verstappen siegt, Russell fällt aus

2026-10-04
GP Bahrain in Sepang: Verstappen siegt, Russell fällt aus

Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Max Verstappen hat den in Sepang (Malaysia) ausgetragenen Großen Preis von Bahrain gewonnen und beide Mercedes geschlagen. Der viermalige Weltmeister war von der Pole Position gestartet. Starkregen und eine rote Flagge verzögerten den Start, im Rennen kam mehrfach das Safety Car auf die Strecke. Red Bull feierte damit den ersten Sieg der Saison 2026. George Russell verlor einen sicher geglaubten Podestplatz, weil vor dem letzten Restart seine Antriebseinheit ausfiel.

Ergebnis: Verstappen vor Antonelli und Hamilton

Hinter Verstappen standen Andrea Kimi Antonelli (Mercedes) und Lewis Hamilton (Ferrari) auf dem Podium. Charles Leclerc wurde Vierter, Isack Hadjar Fünfter und Oscar Piastri Sechster. Punkte holten außerdem Liam Lawson, Fernando Alonso, Lando Norris und Lindblad, der sich als Zehnter den letzten Zähler sicherte.

Für Verstappen war es der 72. Sieg seiner Karriere. Zugleich ist es der erste Erfolg in der Geschichte von Red Bulls eigenem Antriebsprojekt. Mit diesem Sieg vermied das Team die erste Saison ohne Sieg seit 2015.

Mehr als anderthalb Stunden Verzögerung und Start auf Intermediates

Das Rennen begann mit mehr als anderthalb Stunden Verspätung. Zunächst hielt ein Wolkenbruch den Start 40 Minuten lang auf. In der Formationsrunde rutschte Hadjar ins Kiesbett. Mehrere Autos, darunter die von Verstappen und Hamilton aus der ersten Startreihe, hatten zu diesem Zeitpunkt einen Softwarefehler, durch den das Gaspedal nicht funktionierte. Die rote Flagge verlängerte die Unterbrechung um weitere 53 Minuten.

Das Rennen startete hinter dem Safety Car. Nur neun Fahrer gingen auf Intermediates ins Rennen, darunter Verstappen, Antonelli, Russell und Hadjar. Hamilton, Leclerc, Norris, Piastri und Pierre Gasly entschieden sich für Slicks. Gasly drehte sich bereits in der 1. Runde hinter dem Safety Car und fiel auf Rang 13 zurück. Der stehende Start erfolgte am Ende der 2. Runde. Kurz davor wechselten Piastri, Gabriel Bortoleto, Lance Stroll und Nico Hülkenberg an der Box von Slicks auf Intermediates.

Nach dem Erlöschen der Ampel übernahmen Antonelli und Russell die Spitze. Der Brite verbesserte sich noch vor der ersten Kurve vom siebten Startplatz auf Platz zwei. Verstappen verteidigte Rang drei nur knapp gegen Lawson. Leclerc touchierte den Audi von Hülkenberg und holte sich an der Box einen neuen Frontflügel. Hamilton, beide Alpine, Oliver Bearman, Alonso und Valtteri Bottas verloren auf Slicks Dutzende Sekunden.

In der 6. Runde überholte Verstappen Russell in Kurve 4. Die ersten drei lagen zu diesem Zeitpunkt innerhalb von drei Sekunden, der viertplatzierte Lawson hatte 10 Sekunden Rückstand. In derselben Runde ging Hadjar in der letzten Kurve an Lawson vorbei. Zwei Runden später setzte Verstappen bereits Antonelli unter Druck, der in der letzten Kurve weit nach außen getragen wurde, die Führung aber behielt.

Restart nach dem Safety Car und Mercedes-Duell

In der 9. Runde verlor Bottas in Kurve 13 die Kontrolle und blieb im Kiesbett stecken. Die Safety-Car-Phase erlaubte den Fahrern auf Intermediates den Wechsel auf die inzwischen schnelleren Slicks. Mercedes wählte Medium-Reifen, Red Bull und Ferrari Weichreifen, Norris Hartreifen. Hamilton, Norris und Leclerc lagen zu diesem Zeitpunkt auf den Plätzen 15 bis 17.

Beim Restart ging Verstappen in Kurve 1 außen an Antonelli vorbei. Russell überholte Antonelli in Kurve 5, sodass der WM-Spitzenreiter auf Platz drei zurückfiel. Gleichzeitig kollidierte Bortoleto mit Carlos Sainz. Sainz (Williams) fiel auf Position 18 zurück, Bortoleto (Audi) erhielt eine Zeitstrafe von 10 Sekunden.

Verstappen setzte sich um mehr als drei Sekunden von den Mercedes ab. Mercedes gab keine Stallorder. In der 21. Runde holte sich Antonelli Platz zwei aus eigener Kraft zurück, indem er Russell in Kurve 4 überholte. Hamilton arbeitete sich unterdessen durchs Feld und lag in der 22. Runde bereits auf Rang fünf, eine Runde später fuhr auch Leclerc in die Top Ten.

In der 24. Runde kam Antonelli in der letzten Kurve zu weit nach außen und traf einen Pylon an der Boxeneinfahrt. Sein Rückstand auf Verstappen wuchs auf 7,5 Sekunden, vor Russell lag er nur noch eine Sekunde.

Russells Ausfall vor dem letzten Restart

Die zweite Stopp-Serie der Spitzengruppe begann in der 29. Runde. Russell kam in der 32. Runde zum zweiten Mal herein und holte Weichreifen, nach eigener Einschätzung zu früh. Antonelli stoppte in der folgenden Runde, damit Russell ihn nicht durch den früheren Stopp überholen konnte. Auch Verstappen kam an die Box und führte danach mit 11 Sekunden Vorsprung.

Als Alex Albon mit einem technischen Defekt stehen blieb, wurde das Rennen mit einem virtuellen Safety Car (VSC) neutralisiert. Verstappen nutzte es für einen günstigen Boxenstopp und gab die Führung kurzzeitig an Antonelli ab. Auch beide Ferrari wechselten in dieser Phase die Reifen. Mercedes holte seine beiden Autos eine Runde später herein. Anschließend wurde aus dem VSC eine reguläre Safety-Car-Phase.

Vor den letzten Runden lag Verstappen vor Antonelli, Russell, Hadjar und Hamilton. Bevor das Rennen wieder freigegeben wurde, stellte Russell sein Auto mit einem Defekt an der Antriebseinheit neben der Strecke ab. Norris rutschte ins Kiesbett und fiel auf Platz elf zurück.

Das Safety Car kam vier Runden vor Schluss herein. Verstappen gewann den Restart, Antonelli konnte ihn bis ins Ziel nicht mehr gefährden. In der 53. Runde überholte Hamilton Hadjar in Kurve 1 und holte seinen ersten Podestplatz seit Silverstone. Hadjar fiel zudem noch hinter Leclerc zurück. Alonso verteidigte Platz acht gegen Norris. Esteban Ocon, der anfangs auf Rang sechs gelegen hatte, kam nur als 15. ins Ziel, hinter seinem Teamkollegen Bearman.

Reaktionen von Russell und Wolff

„Man muss fast schon lachen“, sagte Russell bei Sky Sports F1. Für ihn war es der dritte Ausfall dieser Saison und der zweite, bei dem ausschließlich technische Gründe den Ausschlag gaben. „Das ist mehr als Enttäuschung. Es ist in dieser Saison einfach so oft passiert“, fügte er hinzu. „Das Podium sah natürlich sehr sicher aus. Ein solides Rennen, kein überragendes Rennen, aber ein solides Rennen“, bilanzierte er. „Nicht das erste Mal, also bin ich dieses Gefühl und diese Fragen inzwischen ziemlich gewohnt, sagen wir mal so“, räumte er ein.

Russell rechnete auch die Folgen des Defekts vor. „Ich wusste, wenn ich zurückkommen will, brauche ich Glück auf meiner Seite. Leider war das Glück nicht auf meiner Seite. Aus einem Drei-Punkte-Verlust heute hinter Kimi ist ein 18-Punkte-Verlust geworden“, sagte er. Für beendet erklärte er den Titelkampf nicht, gab aber zu: „Aber natürlich ist es äußerst unwahrscheinlich, und das ist einfach die Realität.“

Toto Wolff bezeichnete das Rennen als eine seiner schlimmsten Erfahrungen. „Ich bin massiv verärgert“, sagte der Mercedes-Teamchef und gab zu, nicht in guter Stimmung zu sein. Nach seinen Worten fehlte dem Team an diesem Wochenende das erhoffte Tempo, es gebe viel Arbeit zu erledigen. „Wir hatten so einen Vorsprung, ein VSC, zwei Safety Cars. Man hätte nicht mehr Pech haben können“, sagte Wolff. Der Defekt sei schlimm für Russells Titelchancen und alles andere als gut für die Punkte des Teams in der Konstrukteurs-WM. „Es ist einfach dieses übergeordnete Thema, die Ausfälle, das uns auch in den verbleibenden sieben Rennen teuer zu stehen kommen könnte“, so Wolff. Ihm zufolge arbeitet Technikdirektor James Allison mit seinem Führungsteam an dem Problem.

WM-Stand nach 16 von 23 Rennen

Antonelli führt die Fahrerwertung mit 84 Punkten Vorsprung auf Russell an. Zu vergeben sind noch 183 Punkte. Hamiltons Rückstand auf den Spitzenreiter wuchs auf 106 Punkte.

In der Konstrukteurs-WM liegt Ferrari 151 Punkte hinter Mercedes. In Sepang holte Mercedes erstmals seit der Sommerpause weniger Punkte als Ferrari. In dieser Wertung sind noch 316 Punkte zu vergeben.

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