Kehrt Prodrive in die WRC zurück? Richards empfängt Promoter-Chefs

Foto: Jaanus Ree / Red Bull Content Pool
David Richards würde Prodrive gern wieder in der FIA Rallye-Weltmeisterschaft sehen, knüpft das aber an Bedingungen. Am Mittwoch kamen Vertreter von WRC Promoter in die Zentrale seines Unternehmens, um über eine mögliche Rückkehr der Briten in die höchste Klasse der WRC zu sprechen. Eine Entscheidung wurde nicht verkündet. Im Gespräch mit DirtFish sagte Richards jedoch deutlich, was er vom Promoter erwartet.
Prodrive und die WRC: Was nach dem Treffen bekannt ist
Zu Gast bei Prodrive waren Éric Boullier, Geschäftsführer von WRC Promoter, und Julien Vial, Betriebsdirektor des Promoters. Für das Treffen waren drei Stunden angesetzt, Richards hatte dafür ein dichtes Programm vorbereitet.
Dass Gespräche geplant waren, war bereits bekannt. Am 5. Oktober 2026 hatte Reuters berichtet, Richards werde sich in den kommenden Wochen mit Boullier treffen. Dabei wollte er ausloten, wie er helfen und wie sich Prodrive in der Meisterschaft engagieren könnte.
Das Treffen fällt in eine Phase, in der sich die WRC auf ein neues Reglement ab 2027 vorbereitet und nach neuen Teilnehmern sucht.
Die Bedingungen von David Richards
Der Prodrive-Chef macht keinen Hehl daraus, dass die Entscheidung von der Richtung abhängt, die der Promoter einschlägt. „Wir müssen davon überzeugt sein, dass sie den richtigen Ansatz wählen und dass die Investitionen in der Meisterschaft da sein werden“, sagte Richards gegenüber DirtFish.
„Wir haben nur begrenzte Ressourcen, die wir für verschiedene Meisterschaften und unsere verschiedenen Vorhaben einsetzen können, aber ich würde uns gern wieder in der Rallye-Weltmeisterschaft sehen“, fügte er hinzu.
„Wir haben alle technischen Bewertungen der neuen Regeln vorgenommen. Wir haben die gesamte Vorarbeit erledigt. Wir wissen, was es uns kosten wird. Wir wissen, wie wir es angehen. Und das ist eine interessante Diskussion, um herauszufinden, ob wir alle auf einer Linie sind“, so Richards.
Prodrive in der WRC-Geschichte
Mitte der 1990er-Jahre dominierten Prodrive und Subaru die WRC. Sie gewannen von 1995 bis 1997 drei Herstellertitel in Folge, 1995 wurde Colin McRae Fahrerweltmeister.
Auch Richard Burns (2001) und Petter Solberg (2003) holten ihre Titel am Steuer der von Prodrive eingesetzten Subaru. Ende 2008 zog sich Subaru aus der Meisterschaft zurück. Drei Jahre später kehrte Prodrive mit einem Mini-Programm in die WRC zurück.
Laut DirtFish ist das Unternehmen aus Banbury seit 2012 nicht mehr in der WRC vertreten. Richards kennt die Meisterschaft auch von der geschäftlichen Seite: Im Jahr 2000 kaufte er Bernie Ecclestone die kommerziellen Rechte an der WRC ab, der Preis wurde auf 50 Mio. US-Dollar geschätzt.
Richards' Ideen für die Meisterschaft
Die eigentliche Herausforderung für Boullier als Promoter sieht Richards darin, Medien und Fernsehsender weltweit wieder für die WRC zu gewinnen.
„Der Fehler, den Red Bull in den letzten Jahren gemacht hat, bestand darin, nur zu den bereits Überzeugten zu sprechen. Das ist ein leichtes Ziel: Abonnements an Menschen verkaufen, die den Rallyesport lieben? Großartig. Aber es wird ein still schrumpfender Markt sein“, sagte der Prodrive-Chef.
Richards will den Rallyesport für ein breites Publikum öffnen. Er kündigte an, eine Rückkehr zu lineareren Streckenführungen und zu Zeitkontrollen in den Stadtzentren vorzuschlagen. Es gehe darum, „wieder unter die Menschen zu kommen, statt uns in den Wäldern zu verstecken“.
„Es ist die spektakulärste Form des Motorsports überhaupt. Und wir sehen sie nirgendwo“, betonte er. Dafür seien Investitionen nötig, räumte Richards ein. Um das Publikum wieder aufzubauen, müsse das Material von den Rallyes online und den Fernsehsendern zur Verfügung gestellt werden.
Junge Fans will Richards unter anderem über Computerspiele erreichen, die früher sehr populär waren. Er greift eine Idee auf, die er schon vor 20 Jahren verfolgte: die virtuelle Teilnahme von Fans an Rallyes in Echtzeit. Damals ließ die Technik das noch nicht zu.
Als Beispiel nannte er die Rallye Monte Carlo. Ein Fan meldet sich von irgendwo auf der Welt für die Rallye an und steht gemeinsam mit allen anderen am Start der ersten Wertungsprüfung. Er fährt dasselbe Auto, mit denselben Reifen und unter denselben Bedingungen. „Neben dem echten Sieger hätte man dann einen virtuellen Sieger“, erklärte Richards.
