FIA reinvestiert WRC-Einnahmen in den Rallyenachwuchs

Der Weg an die Spitze der FIA Rallye-Weltmeisterschaft kostet Unsummen - junge Crews verbringen oft Jahre damit, Budgets zu organisieren, die den nächsten Karriereschritt erst möglich machen. Nun kündigt die FIA deutlich höhere Investitionen in den Rallyesport an: vom WRC-Gipfel bis zur Breitenbasis, wo die künftigen Stars ihre ersten Kilometer sammeln. Zentrales Werkzeug ist der neue FIA Growth Fund; außerdem schließt der Verband eine Neuauflage des Programms FIA Rally Star nicht aus. Was genau plant die FIA - und woher kommt das Geld?
Wie sieht der Reinvestitionsplan der FIA konkret aus?
Die FIA macht deutlich, dass neue Einnahmen aus dem Kommerzialrechtevertrag für WRC und ERC direkt in den Rallyesport zurückfließen sollen. Unterstützung ist sowohl für die Topkategorien - Weltmeisterschaft und Europameisterschaft - als auch für Entwicklungsprojekte auf Grassroots-Ebene vorgesehen.
Den Anstoß gab die Übernahme der WRC Promoter GmbH durch die französische Gruppe Cosmobilis gemeinsam mit Park Square Capital, einem Investor im Bereich Private Credit. Im Zuge dieser Transaktion schlossen die neuen Eigentümer des Promoters mit der FIA einen langfristigen Vertrag über die Kommerzialrechte an WRC und ERC.
Die FIA bezeichnete die Einigung als größten kommerziellen Deal in der Geschichte beider Meisterschaften. Mohammed Ben Sulayem ging noch einen Schritt weiter und nannte das Abkommen schlicht den „Deal des Jahrhunderts" für den Rallyesport. Als direktes Ergebnis stellt die FIA ein bis dahin nicht dagewesenes Investitionsniveau in die Entwicklung der Disziplin in Aussicht.
Bereits vor der Vertragsunterzeichnung hatte der FIA-Präsident angekündigt, Einnahmen aus Kommerzialrechten in den Rallyesport zurückzulenken. Nach dem Abschluss beginnt der Verband nun, die ersten Eckpunkte dieses Plans zu konkretisieren.
Woher kommt das Geld für den Rallyesport?
Grundlage des neuen Modells ist der langfristige Kommerzialrechtevertrag mit dem neuen WRC-Promoter. Genaue Finanzkennzahlen oder den Gesamtwert des Deals hat die FIA nicht offengelegt - der Verband betont jedoch, der Vertrag schaffe wesentlich größere Spielräume für Investitionen in WRC, ERC und die unteren Ebenen des Rallyesports.
Ben Sulayem nutzte die Gelegenheit auch für scharfe Kritik an früheren FIA-Verträgen. Als Negativbeispiel nannte er ausdrücklich das alte Verhältnis zur Formel 1: Die FIA habe gemessen an ihrer Rolle in der Meisterschaft viel zu wenig zurückbekommen.
Gleichzeitig stellt der FIA-Präsident klar, dass es beim Rallyesport nicht allein ums Geld geht. Entscheidend sei die enge Zusammenarbeit zwischen FIA, Promoter, Teams, Fahrern, Veranstaltern, Fans und Medien - alle Beteiligten sollen die Meisterschaften gemeinsam weiterentwickeln.
Der neue Vertrag soll also nicht nur mehr Mittel in den Sport bringen, sondern auch einen direkteren Mechanismus schaffen, über den diese Mittel tatsächlich im Rallyesport ankommen.
Was ist der FIA Growth Fund?
Ein konkretes Element der neuen Strategie ist der FIA Growth Fund. Sein Scope reicht über die direkte Nachwuchsförderung hinaus - der Fonds soll Projekte unterstützen, die den Rallyesport weltweit voranbringen, von der Weltmeisterschaft bis zur Breitenbasis.
Junge Fahrer und ihre Entwicklung stehen dabei im Fokus, doch Ben Sulayem hat klargestellt, dass es sich nicht um ein einfaches Förderprogramm für Einzelpersonen handeln soll. Die FIA will Strukturen und Projekte finanzieren, die möglichst vielen Talenten den Einstieg in den Motorsport und den Aufstieg in höhere Klassen ermöglichen.
Der FIA-Präsident unterscheidet dabei zwei Investitionsrichtungen: direkte Unterstützung der Meisterschaften selbst und Entwicklungsprojekte für das gesamte Rallyeumfeld. Welche Beträge in welche Bereiche fließen und nach welchem Schlüssel die Mittel verteilt werden, hat der Verband noch nicht kommuniziert.
Die genauen Modalitäten des Growth Fund will die FIA erst veröffentlichen, wenn die Auswahl der zu fördernden Projekte und Bereiche abgeschlossen ist.
Kommt der FIA Rally Star zurück?
Zu den interessantesten Initiativen, die im Rahmen der neuen Strategie reaktiviert werden könnten, gehört der FIA Rally Star. Das Programm startete 2021 mit dem Ziel, ein Talent zu finden und zu entwickeln, das langfristig auf WRC-Niveau konkurrenzfähig ist.
Auf die Frage nach einer möglichen Rückkehr bestätigte Mohammed Ben Sulayem, dass die FIA dieses Szenario ernsthaft prüft. Eine schlichte Neuauflage in der ursprünglichen Form ist allerdings nicht geplant. Der FIA-Präsident sieht Rally Star zwar als gelungenes Programm, das vor einem möglichen Neustart aber überarbeitet und verbessert werden sollte.
Eine offizielle Entscheidung oder einen konkreten Starttermin für eine neue Auflage gibt es bislang nicht. Bekannt ist lediglich, dass Rally Star eine der Initiativen ist, die der Verband im Kontext der neuen Rallye-Finanzierung analysiert.
Wie funktionierte der FIA Rally Star in der ersten Auflage?
Die Idee hinter FIA Rally Star stammt von Jérôme Roussel, der bei der FIA unter anderem mit Offroad-Rallyes und regionalen Meisterschaften befasst war und zuvor im Kommunikationsbereich des französischen Automobilverbands FFSA gearbeitet hatte.
Das Programm richtete sich an Fahrer zwischen 17 und 26 Jahren und erzielte eine bemerkenswerte Reichweite: Mehr als 7.000 Kandidaten bewarben sich, sechs von ihnen wurden am Ende ausgewählt.
Die Teilnehmer durchliefen mehrere Trainings- und Wettbewerbsphasen. Die besten erhielten die Chance, sich im Junior WRC zu beweisen - und bei entsprechenden Ergebnissen anschließend auch in Rally2-Fahrzeugen in der WRC2-Klasse an den Start zu gehen.
Den größten Erfolg feierte Romet Jürgenson. Der Este gewann 2024 den Titel in der Junior WRC und bekam als Preis vier europäische WRC2-Starts in der Saison 2025 am Steuer eines Ford Fiesta Rally2, vorbereitet von M-Sport.
Ein weiterer Profiteur ist Taylor Gill. Der Australier wurde in der Saison 2025 Vize-Meister der Junior WRC und startet 2026 bereits in der WRC2-Klasse - im Toyota GR Yaris Rally2.
Genau diese Karrierewege von Jürgenson und Gill sind eines der schlagkräftigsten Argumente für eine neue Programmauflage. Sie zeigen, dass ein konsequent finanzierter Entwicklungspfad einen jungen Fahrer von der Talentsichtung bis zu regulären Rally2-Starts in der Weltmeisterschaft führen kann.
Was bedeutet das für junge Crews und Fans?
Budget bleibt die größte Hürde im Rallyesport. Selbst ein blitzschneller Nachwuchsfahrer braucht Geld für Fahrzeug, Tests, Reifen, Nenngelder, Transport und Teamarbeit. Von der FIA geförderte Programme lösen dieses Problem nicht vollständig - sie können aber seinen Einfluss an den entscheidenden Karrierepunkten spürbar reduzieren.
Für junge Fahrer und Beifahrer würde das mehr Chancen bedeuten, auf Basis sportlicher Leistung und Selektion in internationale Wettbewerbe einzusteigen. Für Fans hieße es: eine größere Wahrscheinlichkeit, dass im WRC neue Namen auftauchen, die ohne diese Unterstützung schlicht keine Mittel für den nächsten Schritt gehabt hätten.
Das neue Modell verknüpft den kommerziellen Erfolg der Meisterschaften direkt mit Investitionen in deren Zukunft. Je wertvoller WRC und ERC für Promoter, Partner und Medien werden, desto größer könnten die Mittel für Grassroots-Projekte ausfallen.
Konkrete Summen, einen genauen Zeitplan oder klare Verteilungsregeln für den FIA Growth Fund gibt es derzeit noch nicht. Der Verband hat angekündigt, detaillierte Informationen zu veröffentlichen, sobald die Programmstruktur steht.
FAQ
Woher nimmt die FIA das Geld für die Förderung des Rallyesports?
Grundlage ist der langfristige Kommerzialrechtevertrag für WRC und ERC, der nach der Übernahme der WRC Promoter GmbH durch Cosmobilis und Park Square Capital geschlossen wurde. Die FIA hat angekündigt, einen Teil der daraus resultierenden finanziellen Möglichkeiten in die Entwicklung des Rallyesports zu investieren.
Ist die Rückkehr des FIA Rally Star sicher?
Nein. Mohammed Ben Sulayem hat bestätigt, dass eine Reaktivierung geprüft wird - eine offizielle Entscheidung oder einen Starttermin gibt es aber noch nicht. Sollte Rally Star zurückkehren, soll das Programm in überarbeiteter und verbesserter Form laufen.
Wer hat von der ersten Auflage des FIA Rally Star am meisten profitiert?
Die größten Karrieresprünge machten Romet Jürgenson und Taylor Gill. Jürgenson wurde 2024 Junior-WRC-Champion und stieg in die WRC2 auf; Gill holte 2025 den Vize-Titel in der Junior WRC und fährt seit 2026 ebenfalls mit einem Rally2-Fahrzeug in der WRC2-Klasse.
Was ist der FIA Growth Fund?
Ein neuer FIA-Fonds, der Projekte zur Weiterentwicklung des Rallyesports weltweit finanzieren soll - von Grassroots-Initiativen bis zu Maßnahmen auf höchster Meisterschaftsebene. Ein zentrales Ziel ist es, bessere Entwicklungsmöglichkeiten für junge Fahrer zu schaffen.
