Motorsporthelm-Ratgeber: offene und geschlossene Helme im Vergleich

2026-06-08
Motorsporthelm-Ratgeber: offene und geschlossene Helme im Vergleich

Der Helm ist das wichtigste Sicherheitselement im Motorsport. Er schützt den Kopf nicht nur durch seine Schutzschale, sondern auch durch ein Mehrschicht-System aus äußerer Schale, EPS-Liner und Innenpolster, das Aufprallenergie verteilt und absorbiert.

Motorsporthelme werden in regelmäßigen Abständen vom Markt genommen und durch neue Normen ersetzt. Wer einen Helm kauft, sollte die aktuell gültige Homologation kennen und verstehen, welche Helmform zum jeweiligen Einsatzzweck passt.

Worauf beim Kauf eines Motorsporthelms achten?

Homologation

Die aktuell gültige Norm für FIA-Motorsporthelme lautet FIA 8859-2024. Sie löste die FIA 8859-2015 ab und ist seit 2024 der Standard für neue Homologationen.

Helme mit FIA 8859-2015 bleiben bis zu ihrem Ablaufdatum (10 Jahre ab Herstellungsjahr) gültig. Als Alternative wird die nordamerikanische Snell SA2020-Norm von vielen FIA-Serien und nationalen Meisterschaften akzeptiert.

Für das Kartsport gelten gesonderte Normen (CIK-FIA 8860 oder Snell CMR/CMS).

Helmform: offen oder geschlossen?

  • Offener Helm (Open Face) - Mund und Kinn frei, Visier oder Brille. Standard in der Rallye-Conavigation und im Kartsport. Bessere Kommunikation, einfaches An- und Ablegen.
  • Geschlossener Helm (Full Face) - vollständiger Kopfschutz mit integriertem Kinnbügel. Pflicht in WRC, Rundstrecke und den meisten FIA-Klassen. Höchster Schutzniveau.

Helmschale: FRP, Carbon oder Verbundwerkstoff?

  • Glasfaser (FRP) - Einstiegsklasse, schwerer (~1 400-1 600 g), preisgünstiger.
  • Verbundwerkstoff (Carbon-Glas-Hybrid) - mittlere Preisklasse, ~1 200-1 400 g.
  • Carbon - leichteste Konstruktion (~900-1 200 g), deutlich teurer. Pflicht in der höchsten FIA-Klasse der Norm.

HANS-Kompatibilität

FIA-homologierte Helme verfügen über HANS-Clips an beiden Seiten. Das Clip-System muss zum verwendeten FHR-Kragen (HANS oder Hybrid) passen. Standard-Clips sind herstellerübergreifend kompatibel; M61-Schnellverschlüsse erfordern entsprechende Gegenstücke am Helm.

Innenpolster und Belüftung

Das Innenpolster ist abnehmbar und waschbar - ein wichtiges Kriterium bei häufigem Gebrauch. Die Belüftungskanäle leiten Frischluft ein und leiten warme Luft ab. Bei Summer-Veranstaltungen und langen Rallyeetappen macht eine gute Belüftung einen großen Unterschied.

FIA-Intercomsystem (NEXUS)

Für den Rallyeeinsatz sind Helme mit vorkonfiguriertem NEXUS-Connector die richtige Wahl. Sie ermöglichen die direkte Verbindung mit dem Intercom-System ohne Adapter. Für die meisten aktuellen Stilo-, OMP-, Sparco- und Bell-Helme ist NEXUS-Konnektivität verfügbar.

 

Motorsporthelme FIA

 

Helmtypen im Überblick

Offene Helme (Open Face)

Mund und Kinn bleiben frei. Standard beim Rallyebeifahrer (Copilot/Co-driver), da die Lesbarkeit von Pacenotes und die Kommunikation über das Intercom-System erleichtert werden. Auch im Kartsport und im Driftsport weit verbreitet.

Vorteile:

  • ✓ Bessere Sprechverständlichkeit im Intercom
  • ✓ Einfaches An- und Ablegen
  • ✓ Geringeres Gewicht als Full-Face-Variante
  • ✓ Günstiger als gleichwertige Full-Face-Helme

Nachteile:

  • ✗ Kein Kinnbügelschutz
  • ✗ In vielen FIA-Fahrerklassen nicht zugelassen

OMP - Offene Helme

OMP bietet eine breite Palette offener Helme in allen Preissegmenten. Aktuelle Serien sind mit FIA 8859-2015 und FIA 8859-2024 homologiert. Besonders geschätzt für das präzise Innenpolster-System.

Stilo - Offene Helme

Der italienische Helmhersteller Stilo dominiert das Rallye-Segment. Offene Helme wie der ST5 bieten hervorragende NEXUS-Integration und zeichnen sich durch kurze Lieferzeiten aus.

Geschlossene Helme (Full Face)

Der integrierte Kinnbügel ist das wesentliche Unterscheidungsmerkmal. Pflicht für Fahrer in der Rallye (Pilot), in der Formel und auf der Rundstrecke. Bietet den höchsten Schutz, insbesondere für den Unterkieferbereich.

Vorteile:

  • ✓ Vollständiger Kopfschutz inkl. Kinn
  • ✓ FIA-Pflicht in den meisten Fahrerklassen
  • ✓ Breite Auswahl für alle Budgets und Disziplinen

Nachteile:

  • ✗ Teurer als gleichwertige Open-Face-Helme
  • ✗ Leicht schlechtere Intercom-Akustik (Kinnbügel dämpft Stimme)

Bell - Full-Face-Helme

Der amerikanische Helmhersteller Bell steht seit Jahrzehnten im Rallye- und Rundstrecken-Einsatz. Das Topmodell HP77 ist eines der leichtesten FIA-homologierten Helme auf dem Markt; das Volvo-Modell KC7 CMR für den Kartsport.

Sparco - Full-Face-Helme

Sparco-Helme stehen für hohe Qualität im mittleren und oberen Preissegment. Die Carbon-Modelle der Sky-Serie erreichen ein Gewicht von unter 1 100 g.

Preisbereiche

Einstieg (~$250-500)

FIA-homologierte Glasfaser-Helme von OMP, Sparco und Stilo. Alle aktuellen Sicherheitsanforderungen erfüllt, höheres Gewicht (~1 400-1 600 g), kein Carbon.

Für: Einsteiger, nationale Meisterschaften, Fahrer mit kleinerem Budget.

Mittelklasse (~$500-1 000)

Verbundwerkstoff- oder Carbon-Hybrid-Schalen (~1 200-1 400 g), bessere Belüftung, hochwertigeres Innenpolster. Stilo ST5, OMP GP8, Sparco Sky.

Für: regelmäßige Wettbewerber, nationale bis internationale Klassen.

Premium (~$1 000+)

Vollcarbon-Schalen (unter 1 200 g), höchste FIA-Klasse der Norm, oft mit ABP (Advanced Ballistic Protection). Bell HP77, Stilo WRC DES Zero, Sparco Supercarbon.

Für: Profifahrer, internationale Meisterschaften, WRC-Niveau.

Zusammenfassung

Der Helm ist die wichtigste und gleichzeitig kostspieligste Position in der Motorsport-Schutzausrüstung. FIA 8859-2024 ist die aktuelle Norm - wer heute kauft, sollte auf dieses Siegel oder die noch gültige FIA 8859-2015 achten.

Open-Face für Copiloten und im Kartsport; Full-Face für alle Fahrerklassen in Rallye und Rundstrecke.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange ist ein FIA-Motorsporthelm gültig?

10 Jahre ab Herstellungsdatum. Das Verfallsdatum steht auf dem FIA-Zertifizierungsaufkleber innen im Helm. Nach einem schweren Aufprall muss der Helm unabhängig vom Alter ersetzt werden - innere Schäden sind von außen nicht erkennbar.

Welchen Unterschied macht das Helmgewicht?

Bei einem Frontalaufprall wird das Gewicht des Helms mit Beschleunigungsfaktoren von 20 g und mehr multipliziert. Ein 300 g leichterer Helm bedeutet bei 25 g Beschleunigung 7,5 kg weniger Last auf dem Hals. Bei langen Events macht der Gewichtsunterschied auch ohne Crash-Szenario einen spürbaren Unterschied für die Nackenermüdung.

Muss ich bei FIA-Rallyefahrten immer einen geschlossenen Helm tragen?

Als Fahrer (Pilot) ja. Für den Co-Piloten ist in vielen nationalen Meisterschaften ein offener Helm erlaubt. Immer die aktuellen Ausschreibungen der jeweiligen Meisterschaft prüfen.

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