Project Rally One: Erste Tests für das WRC-2027-Auto

2026-09-07
Project Rally One: Erste Tests für das WRC-2027-Auto

Project Rally One hat seinen Prototyp auf einen deutschen Kurs gebracht und dort rund 300 Kilometer in drei Tagen abgespult. Es sind die ersten ernsthaften Tests vor dem neuen WRC-27-Reglement, und das Ziel des frischgebackenen Konstrukteurs ist ehrgeizig: zwei Autos ab dem Rallye Monte Carlo 2027 - also vom ersten Lauf der Saison an. Das Programm sieht vor, die Rallye-Maschine vollständig selbst zu entwickeln, zu bauen und zur WRC27-Spezifikation zu homologieren.

Was hinter Project Rally One steckt - und was die ersten Tests gezeigt haben

Hinter Project Rally One stehen drei bekannte Namen aus der Rallye-Szene. Gegründet wurde der Konstrukteur von Ingenieur Lionel Hansen, Yves Matton - ehemaliger FIA-Rallyedirektor und früherer Chef von Citroën WRC - sowie dem Unternehmen Prospeed. Die Ankündigung fiel im Dezember des Vorjahres, zusammen mit der Absichtserklärung, ein Auto nach WRC27-Spezifikation pünktlich zum Start des neuen Regulierungszyklus zu bauen.

Die erste Ausfahrt über längere Distanz fand auf einem Kurs in Deutschland statt - kein Wertungsprüfungs-Simulacrum, sondern ein Härtetest für Mechanik und Fahrwerk: Randsteine, hohe Geschwindigkeiten, Belastung pur.

„Wir haben tatsächlich drei Testtage abgeschlossen. Das Auto wurde auf den Randsteinen und bei hohen Geschwindigkeiten stark beansprucht - wir haben rund 300 Kilometer ohne irgendwelche Probleme zurückgelegt", berichtete Lionel Hansen gegenüber der französischen L'Équipe.

Warum ein unabhängiger Konstrukteur im WRC jetzt möglich ist

Die neuen technischen Regelwerke verändern die Machtstruktur im WRC grundlegend. Ab dem Zyklus 2027 dürfen Tuner zu vollwertigen Konstrukteuren aufsteigen. Jahrelang war die Topklasse faktisch drei Werksteams vorbehalten; nun öffnet das Reglement die Tür für kleinere Unternehmen, die ein eigenes Auto bauen und homologieren lassen wollen.

Project Rally One steht dabei nicht allein. Mit dem spanischen RMC Motorsport hat sich ein zweiter Tuner verbindlich zu den neuen Regularien bekannt. Insgesamt haben mehr als zehn Tuner Interesse am Einstieg unter den WRC-27-Bedingungen signalisiert.

Den Prototyp von Project Rally One treibt ein 1,6-Liter-Aggregat aus dem Volkswagen-Konzern an - dieselbe Einheit, die bereits im Škoda Fabia Rally2 und im Volkswagen Polo Rally2 erprobt wurde. Das erspart dem Team den gleichzeitigen Kampf mit einer unbekannten Antriebseinheit und einer komplett neuen Fahrzeugstruktur. Die Randstein-Passagen bei hohem Tempo dienen als Belastungstest für Karosseriesteifigkeit und Fahrwerksausdauer - beides muss stehen, bevor es auf Asphalt und Schotter geht.

Zeitplan: Wann Project Rally One in die WRC einsteigen will

Das Ziel ist klar formuliert: zwei Autos ab dem Rallye Monte Carlo 2027, dem Saisonauftakt. Das Team gibt an, schneller voranzukommen als ursprünglich kalkuliert.

„Das Ziel ist der Start mit zwei Autos ab Monte Carlo. Wir kommen schneller voran als geplant und werden eine Testserie durchführen - im September auf Asphalt, dann im Oktober auf Schotter, einen Monat früher als im ursprünglichen Zeitplan vorgesehen", erklärte Hansen.

Hinter dem Steuer des Prototyps saßen drei Fahrer. Unter ihnen soll laut Berichten der frühere WRC-Werkspilot Stéphane Lefebvre gewesen sein. Die endgültige Crew für die Saison steht noch nicht fest.

Was RMC Motorsport plant - und worin sich die Ansätze unterscheiden

Der zweite Tuner im Bunde verfolgt einen anderen Fahrplan. RMC Motorsport peilt den WRC-Einstand bei der Rallye Kroatien 2027 an - voraussichtlich im April-Slot des Kalenders und damit einige Läufe nach Monte Carlo.

„Unser aktuelles Ziel ist das WRC-Debüt in Kroatien 2027. Garantieren können wir das heute nicht, denn die endgültige Entscheidung hängt vom Fortschritt des Entwicklungs- und Testprogramms ab. Im Moment arbeiten wir die geplanten Meilensteine ab, und Kroatien bleibt unser Ziel", so die Teamverantwortlichen.

Der weitere Saisonplan von RMC führt über Spanien und Portugal, in der zweiten Saisonhälfte dann zu den südamerikanischen Läufen. Das Team arbeitet in Partnerschaft mit dem spanischen Verband RFEDA und will einen eigenen Motor auf Basis einer bereits homologierten Group-A-Einheit entwickeln. Die Fahrerfrage wird noch streng unter Verschluss gehalten; angekündigt wurden lediglich Gespräche mit erfahrenen Weltklasse-Piloten und talentierten Nachwuchsfahrern.

Was das für WRC und Fans bedeutet

Das WRC-Spitzenfeld wird heute von einer Handvoll Hersteller dominiert. Schaffen die unabhängigen Konstrukteure den Einstand, bringt das mehr Autos in der Topklasse und eine breitere Punktejagd.

Garantien gibt es freilich keine. Ein Auto von Grund auf zu bauen ist das eine - mit den Werksteams über eine komplette Saison mitzuhalten das andere. Vor Project Rally One liegen noch Monate auf Asphalt und Schotter, bevor endgültig grünes Licht für den Saisonstart gegeben wird. Die nächsten Termine stehen bereits fest: Asphalttests im September, Schottertests im Oktober.

Häufige Fragen zu Project Rally One und WRC 2027

Wer hat Project Rally One gegründet?

Das Team wurde von Ingenieur Lionel Hansen, dem ehemaligen FIA-Rallyedirektor und früheren Citroën-WRC-Chef Yves Matton sowie dem Unternehmen Prospeed ins Leben gerufen.

Welcher Motor steckt im Prototyp?

Beim Test kam ein 1,6-Liter-Aggregat aus dem Volkswagen-Konzern zum Einsatz - dieselbe Einheit, die bereits im Škoda Fabia Rally2 und im Volkswagen Polo Rally2 bewährt ist.

Wann will Project Rally One in der WRC starten?

Das Team plant den Einstieg mit zwei Autos ab dem Rallye Monte Carlo 2027, dem Saisonauftakt der FIA Rallye-Weltmeisterschaft.

Ist Project Rally One der einzige neue Konstrukteur?

Nein. Auch der spanische RMC Motorsport hat sich zum WRC-27-Reglement bekannt, und mehr als zehn Tuner haben grundsätzliches Interesse an einem Einstieg signalisiert.

Warum können Tuner jetzt WRC-Fahrzeuge bauen?

Das neue technische Regelwerk für den Zyklus ab 2027 erlaubt Tunern erstmals, als vollwertige Konstrukteure aufzutreten - und öffnet die Topklasse damit für kleinere Unternehmen abseits der großen Hersteller.

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