WRC 2026: Toyota ohne Teamorder im Dreikampf um den Fahrertitel

2026-09-15
WRC 2026: Toyota ohne Teamorder im Dreikampf um den Fahrertitel

Nach der Rally Chile Bio Bío führt Elfyn Evans die Fahrerwertung der FIA Rallye-Weltmeisterschaft mit 17 Punkten Vorsprung auf Sami Pajari und 21 Punkten auf Oliver Solberg an. Alle drei fahren für Toyota Gazoo Racing. Teamchef Juha Kankkunen hat Teamorders für die verbleibenden zwei Läufe klar abgelehnt.

Kankkunen: „Die Meisterschaft soll der Beste gewinnen”

„Die Meisterschaft soll der Beste gewinnen. Alles andere wäre meiner Meinung nach unfair”, sagte Kankkunen. Der vierfache Weltmeister begründet seine Haltung mit eigenen Erfahrungen: „Schon als Fahrer habe ich mir gedacht: Wenn ich irgendwann selbst ein Team leite, werde ich einem Fahrer, der gut unterwegs ist, niemals sagen: Lass den anderen vorbei.”

Die Konstrukteurs-WM hat Toyota bereits vor dem Ende der Saison gewonnen. Mit dem Doppelsieg von Solberg und Sébastien Ogier in Chile sicherten sich die Japaner ihren sechsten Konstrukteurstitel in Folge. Die Aufmerksamkeit richtet sich damit vollständig auf den internen Dreikampf. Kankkunen erwartet, dass keiner der drei zurücksteckt: „Für die Zuschauer wird es viel zu verfolgen geben, wenn die Jungs gegeneinander kämpfen. Ich bin sicher, dass jeder alles geben wird, weil sie alle eine Chance haben.” Das Ziel des Teams sei es, allen dreien die bestmögliche technische Unterstützung zu geben, damit sie auf der Strecke klären, wer in diesem Jahr der Schnellste ist. „Das größte Geheimnis sind diese Jungs hier. Ich habe die besten Fahrer”, sagte Kankkunen.

Rally Chile Bio Bío: Solberg siegt, Evans verliert wertvolle Punkte

Oliver Solberg mit Beifahrer Elliott Edmondson gewann die Rally Chile Bio Bío und führte 15 der 16 Wertungsprüfungen an. Am Ende betrug sein Vorsprung auf Sébastien Ogier mit Vincent Landais 16,6 Sekunden. Gegen Ende der 8,78 km langen Wertungsprüfung BioBío erlitt Solberg einen Reifenschaden, behielt die Führung aber. Es war sein dritter WRC-Sieg. Gegen Ende der 8,78 km langen Wertungsprüfung BioBío erlitt Solberg einen Reifenschaden, behielt die Führung aber. Rang drei holten Adrien Fourmaux und Alexandre Coria im Hyundai. Mit dem Doppelsieg sicherte sich Toyota zugleich seinen zehnten Konstrukteurstitel insgesamt und egalisierte damit den Rekord von Lancia. Ogier erreichte sein 120. WRC-Podium und zog damit mit dem Allzeit-Rekord von Sébastien Loeb gleich.

Für Evans verlief das Wochenende schmerzhaft: Auf der vorletzten Wertungsprüfung erlitt er einen Reifenschaden und musste anhalten, um das Rad zu wechseln. Das kostete ihn rund zwei Minuten und ließ ihn vom zweiten auf den fünften Platz abrutschen. Pajari kam als Vierter ins Ziel. „Ich hätte nach meinen heutigen Punkten lieber 30 Punkte Vorsprung gehabt”, kommentierte Evans. „Aber am Ende ist es jetzt, wie es ist. Es ist alles offen. Es ist ein echter Dreikampf.”

Den Samstag prägten mehrere Ausfälle. Thierry Neuville und Beifahrer Martijn Wydaeghe überschlugen sich auf der ersten Wertungsprüfung des Tages und gingen am Sonntag nicht mehr an den Start. Jon Armstrong traf auf derselben Wertungsprüfung eine Böschung, überschlug sich auf die Seite und erreichte das Ziel mit erheblichen Schäden, bevor er seinen Einsatz am Samstag beendete. „Das Auto schob über die Vorderräder, wir kamen nach außen, trafen eine Böschung und überschlugen uns auf die Seite”, schilderte Armstrong. In der WRC2-Wertung überschlug sich Nikolay Gryazin mit einem Lancia, das Fahrzeug fing Feuer; die Crew blieb unverletzt.

Evans führt seit April, aber die Schotterrunden haben gezehrt

Evans hält die Führung in der Fahrerwertung seit der Rally Islas Canarias im April. Nach der Rally Finnland hatte er noch 30 Punkte Vorsprung. Die darauffolgenden Schotterläufe bereiteten ihm Sorgen, denn als erstes Auto auf der Straße trägt er die Last des Straßenräumens. „Ich hatte ehrlich gesagt erwartet, die Führung in der Meisterschaft schon jetzt zu verlieren, nachdem ich bei so vielen Rallyes die Straße geöffnet habe”, sagte der Waliser.

Evans erwägt strategischen Umgang mit Punkten in Saudi-Arabien

Als erster Starter auf den groben Schotterpisten bedeutet die erste Startposition erhebliche Nachteile. Evans kennt das aus eigener Erfahrung: Bei der Rallye Saudi-Arabien der Vorsaison startete er als Erster auf der Straße, erlitt einen Reifenschaden und schied faktisch aus dem Titelkampf aus. Ogier gewann damals seinen neunten Titel, obwohl er mehr als eine Minute hinter dem Sieger Neuville ins Ziel kam, der fünfter Starter war.

Evans sagte, er habe die Möglichkeit, strategisch auf Punkte zu verzichten, noch nie befürwortet: „Das ist eine schwierige Entscheidung. Ich war noch nie ein Freund davon, absichtlich auf Punkte zu verzichten.” Angesichts der damaligen Erfahrungen schloss er es aber auch nicht aus: „Nachdem ich gesehen habe, wie schlimm das Straßenräumen dort im vergangenen Jahr war, wäre es dumm, es nicht in Betracht zu ziehen, wenn sich die Gelegenheit ergibt.” Sein voller Fokus gelte zunächst der Rally Italia Sardegna.

Pajari dämpfte allzu kühne Erwartungen: „In diesem Sport kann sich sehr, sehr schnell alles ändern, aber wir haben noch ein paar Läufe vor uns und der Kampf ist völlig offen.” Die Rally Italia Sardegna findet vom 1. bis 4. Oktober 2026 statt, danach folgt die Rallye Saudi-Arabien als abschließender Lauf der Saison.

FAQ

Wer gewann die Rally Chile Bio Bío 2026?

Oliver Solberg mit Beifahrer Elliott Edmondson. Sie führten 15 der 16 Wertungsprüfungen an und gewannen mit 16,6 Sekunden Vorsprung auf Sébastien Ogier. Rang drei holte Adrien Fourmaux.

Wie ist der Punktestand in der Fahrerwertung vor den letzten zwei Läufen?

Elfyn Evans führt, Sami Pajari liegt 17 Punkte zurück, Oliver Solberg 21 Punkte. Alle drei fahren für Toyota Gazoo Racing.

Warum lehnt Toyota Teamorders ab?

Teamchef Juha Kankkunen hält Teamorders für ungerecht. Den Titel solle derjenige gewinnen, der am besten fährt. Er begründet die Entscheidung mit Erfahrungen aus seiner eigenen Karriere als Fahrer.

Welche Läufe stehen noch aus?

Die Rally Italia Sardegna (1. bis 4. Oktober 2026) und die Rallye Saudi-Arabien sind die abschließenden zwei Läufe der Saison 2026.

Warum erwägt Evans, in Saudi-Arabien strategisch auf Punkte zu verzichten?

Als erster Starter auf den groben Schotterpisten räumt er die Straße für alle Nachfolger. Bei der Vorsaison-Rally kosteten ihn diese Position und ein Reifenschaden den Titelkampf. Er hält es deshalb für möglich, bei einer engen Situation strategisch zu agieren, betont aber, dass er kein Befürworter eines bewussten Punkteverzichts ist.

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