82. Rallye Polen 2026 - Kajetanowicz kehrt ins Schlesische zurück

2026-06-23
82. Rallye Polen 2026 - Kajetanowicz kehrt ins Schlesische zurück

Nach zwei Jahrzehnten auf den Schotterstraßen Masurens bekommt das Rallye Polen ein neues Gesicht. Der älteste polnische Klassiker wechselt in diesem Jahr auf den Asphalt der Woiwodschaft Schlesien - und auf der Startliste steht Kajetan Kajetanowicz. Für den dreifachen Sieger der Veranstaltung ist es der zwölfte Start und eine Rückkehr dorthin, wo er einst das Handwerk des Rallyefahrens erlernte. Ein Überblick über Termin, Strecke und die Geschichte hinter diesem besonderen Comeback.

Termin, Ort und Belag - das Wichtigste zum 82. Rallye Polen

Das 82. Rallye Polen findet vom 24. bis 26. Juli statt, Veranstaltungsbasis ist Katowice, das Herz der Oberschlesisch-Dąbrowa-Metropolregion. Im Programm stehen fünfzehn Sonderprüfungen mit einer Gesamtlänge von knapp 190 Kilometern. Das ist ein grundlegender Wandel gegenüber den Vorjahren - weg von den Schotterpassagen rund um Mikołajki, hin zum anspruchsvollen Asphalt Schlesiens.

Die Veranstaltung behält ihren internationalen Charakter. Nach Katowice reisen nicht nur Teams, die um den polnischen Meistertitel kämpfen, sondern auch Mannschaften aus der FIA-Rallye-Europameisterschaft ERC. Asphalt verlangt eine andere Fahrweise, eine andere Fahrwerksabstimmung und birgt andere Risiken als die lose Oberfläche, an die sich die Fans über zwei Jahrzehnte gewöhnt hatten.

Das zweitälteste Rallye der Welt

Die erste Ausgabe des Rallye Polen fand 1921 statt. Damit ist es die zweitälteste Veranstaltung dieser Art weltweit - nur die berühmte Rallye Monte-Carlo ist älter. Diese über hundertjährige Geschichte ist das Fundament eines Prestiges, das einen Start im polnischen Klassiker für einheimische Fahrer zu etwas ganz anderem macht als eine gewöhnliche Kalenderrunde.

Die Ausgabe 2026 öffnet ein neues Kapitel dieser Geschichte. Der Wechsel von Schotter auf Asphalt und von Masuren nach Schlesien ist nicht nur ein Szenenwechsel, sondern stellt die Teams vor völlig andere Herausforderungen. Schotter verzeiht Fehler eher, Asphalt bestraft jede Sekunde zu spätes Bremsen. Für die Fans bedeutet das neue Prüfungen, neue Zuschauerpunkte und die Chance, ihre Lieblingscrews in einem anderen Element zu erleben.

Kajetanowicz und seine drei Siege beim Rallye Polen

Kajetan Kajetanowicz verbindet mit dem polnischen Klassiker eine besondere Bilanz - drei Gesamtsiege. Der Mann aus Ustroń debütierte 2005 am Steuer eines Peugeot 206 XS im Pokalbewerb. Fünf Jahre später holte er mit Beifahrer Jarosław Baran in einem Subaru Impreza TMR 10 den ersten Sieg - gleichzeitig ein Triumph in der Europameisterschaftswertung.

Den Erfolg wiederholte er bei der nächsten Ausgabe, und 2013 komplettierte er den Hattrick. Das damalige Starterfeld war beeindruckend - hinter Kajetanowicz blieben unter anderem Bryan Bouffier, Craig Breen, Jan Kopecky, Robert Kubica und Krzysztof Hołowczyc. Ein Sieg in dieser Gesellschaft ist ein schlagkräftigeres Argument als jede Statistik.

2016, als das Rallye Polen WRC-Lauf war, gab Kajetanowicz hier sein Debüt auf der Weltbühne und beendete die Veranstaltung knapp hinter dem WRC2-Podium. 2024 lieferte er einen harten Kampf um den Klassensieg, bis ein unglücklicher Fahrwerksschaden am dritten Tag die heiß gelaufene Auseinandersetzung beendete. Hinzu kommt ein Start 2023 als Nullwagen, bei dem er die Sicherheit der Zuschauer auf den Prüfungen kontrollierte.

ORLEN Rally Team - Toyota GR Yaris Rally2 und Besatzung

Beim 82. Rallye Polen tritt Kajetanowicz gemeinsam mit Maciej Szczepaniak an. Als Waffe dient dem ORLEN-Rally-Team-Duo ein Toyota GR Yaris Rally2, der vom spanischen Rennstall RaceSeven vorbereitet wird. Das ist eine bewährte Kombination - Kajetanowicz ist WRC2-Challenger-Weltmeister 2023 und der einzige Fahrer in der Geschichte des Rallyesports, der die FIA-Rallye-Europameisterschaft dreimal in Folge gewann, nämlich von 2015 bis 2017.

Fahrzeuge der Rally2-Klasse verlangen vom Piloten volles Vertrauen in das Equipment, das ihn bei jedem Überschlag und jedem Einschlag in die Streckenbegrenzung schützt. Überrollkäfig, FIA-homologierte Sitze und Gurte - diese Komponenten arbeiten auf Asphalt genauso hart wie auf Schotter. Toyota Gazoo Racing kennt diese Welt von innen, denn genau unter diesem Banner sammelt die japanische Marke ihre Rallye-Lorbeeren.

Die Sicherheit einer Rally2-Besatzung hängt auch von Ausrüstung ab, die der Zuschauer von der Tribüne nicht sieht. Homologierte Sitze, Rennoveralls und Helme sind der Standard, der darüber entscheidet, ob eine Crew einen heftigen Abflug aus eigener Kraft verlässt. Kopf- und Nackenschutz gehören heute zur Grundausrüstung jedes Rallyefahrers.

Sentimentale Rückkehr nach Schlesien

Der Umzug des Rallyes nach Schlesien ist für Kajetanowicz eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Die Organisatoren haben Sonderprüfungen vorbereitet, die teilweise über Strecken führen, auf denen der vierfache polnische Meister seine ersten Schritte machte. 2003 debütierte Kajto, damals noch ein weitgehend unbekannter Fahrer, in der wichtigsten polnischen Rennserie - und gewann prompt seine Klasse bei der Internationalen Rallye Schlesien am Steuer eines kleinen Peugeot 106 S16.

Der Fahrer selbst macht keinen Hehl aus seinen Emotionen vor dem Start. „Das ist die wichtigste Motorsportveranstaltung in unserem Land, mit einer wunderschönen, reichen Geschichte", sagte er im Vorfeld. Er betonte, dass er auf einem Teil der schlesischen Prüfungen das Rallyehandwerk erlernte und erste Erfolge feierte. Eine solche Klammer zwischen dem Debüt von einst und dem Start des Meisters in voller Stärke - das ist eine Geschichte, die kein Drehbuchautor besser erfinden könnte.

Vor dem Rallye Polen - Małopolska-Rallye und Nullwagen

Bevor Kajetanowicz und Szczepaniak in Katowice an den Start gehen, wartet noch eine Begegnung mit den Fans. Auf Bitten der Veranstalter der Małopolska-Rallye, die vom 2. bis 4. Juli ausgetragen wird, absolviert das ORLEN-Rally-Team-Duo die Strecke als Funktionsbesatzung. Der Toyota GR Yaris Rally2 mit der Startnummer null fährt die Sonderprüfungen vor dem eigentlichen Wettbewerb ab und überprüft die Streckensicherheit.

Die Rolle des Nullwagens ist keine bloße Formalität. Die Funktionsbesatzung bewältigt die Prüfungen in einem startnahen Tempo, um Gefahrenstellen aufzuspüren und die Aufstellung der Zuschauer zu kontrollieren. Für Kajetanowicz bedeutet das gleichzeitig zusätzliche Kilometer im Yaris vor dem Juli-Klassiker - eine Gelegenheit, das Reaktionsverhalten des Autos auf Asphalt noch besser kennenzulernen.

Die entscheidende Frage vor dem Start

Die wichtigste Frage lautet: Spielt der Belagswechsel Kajetanowicz in die Karten? Seine drei Siege beim Rallye Polen fielen noch in die Schotterzeiten Masurens, und der schlesische Asphalt ist eine andere Schule des Fahrens. Andererseits begann der Fahrer genau hier seine Karriere, und Streckenkenntnis wiegt bei Rallyes oft mehr als reine Cleverness am Steuer.

Das Starterfeld wird stark sein - die Präsenz der FIA-ERC-Teams erhöht die Messlatte und gönnt niemandem eine Schonfrist. Einen klaren Favoriten zu benennen fällt schwer, denn die Asphaltpremiere mischt die Karten für alle neu. Sicher ist eines: Fünfzehn Sonderprüfungen und knapp 190 Kilometer Wettbewerb auf den Straßen Schlesiens werden Tausende Fans anziehen, die Kajto im heimischen Revier sehen wollen.

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