Rally Estonia 2026: Pajari gewinnt alle 7 Prüfungen am Freitag

2026-07-17
Rally Estonia 2026: Pajari gewinnt alle 7 Prüfungen am Freitag

Sieben Wertungsprüfungen, sieben Bestzeiten. Sami Pajari hat am Freitag bei der Rally Estonia 2026 die Tür zu seinem ersten WRC-Sieg mit einer Wucht eingetreten, an der kein Rivale vorbeikam. Der Finne von Toyota Gazoo Racing führt zum Tagesabschluss mit 14,7 Sekunden vor Oliver Solberg. Wer auf einen spannenden Freitag gehofft hatte, sah stattdessen eine makellose Machtdemonstration - auch wenn der Tag für Katsuta und Armstrong ganz anders verlief. Was bringt der Samstag?

Pajari führt nach dem Freitag der Rally Estonia 2026 - 14,7 s Vorsprung

Fünf Podestplätze aus acht Saisonstarts 2026 - und trotzdem kennt Pajari das Gefühl eines WRC-Sieges bis heute nicht. Der Freitag in Estland wirkte wie die Generalprobe für genau diesen Moment. Bereits im Shakedown war er schnellster - gleichauf mit Elfyn Evans - und nahm diese Form direkt in die Wertungskilometer mit.

Sechs Schotterprüfungen durch estnische Wälder absolvierte er ohne Schwäche. Am Abend kam noch der Asphalt-Superspecial Elva linn dazu - auch dort Bestzeit. Volltreffer. „Wir haben das sehr genossen", sagte Pajari, dämpfte aber gleich die Erwartungen: „Es ist erst der erste Tag, daher ist es zu früh für irgendwelche Ansagen. Ich hoffe, wir können diesen Rhythmus die nächsten zwei Tage halten."

14,7 Sekunden Vorsprung nach sieben Prüfungen - auf dem Toyota GR Yaris Rally1 ein Ergebnis, das nach einem soliden Arbeitstag aussieht, nicht nach Anlass zur Panik. Der Samstag bringt neun Prüfungen und für die Führenden jede Menge Straßenreinigung.

Solberg Zweiter, Fourmaux im Nacken

Oliver Solberg, Vorjahressieger der Rally Estonia, beendete den Freitag auf Rang zwei - ohne besonderen Grund zum Feiern. Statt die Situation hinter sich zu kontrollieren, verbrachte er den Tag damit, das Tempo des Teamkollegen zu jagen.

Adrien Fourmaux im Hyundai drückte so stark, dass Solberg verteidigen statt angreifen musste. Der Franzose liegt nur 1,8 Sekunden hinter dem Norweger - ein Abstand, den eine Samstagmorgen-Prüfung schnell umkehren kann. „Guter Kampf, wir sehen uns morgen. Platz drei heute Abend ist ein Plus", sagte Fourmaux gelassen. Solberg ließ seine Enttäuschung offen: „Schwieriger Tag, enttäuschend. Wir müssen morgen ein besseres Gefühl für das Auto finden und das Tempo steigern."

Neuville Vierter, Ogier Fünfter - solide ohne Ausrufezeichen

Thierry Neuville und Sébastien Ogier fuhren den Freitag sauber durch - keine technischen Probleme, keine Unfälle, keine verlorene Zeit auf der Strecke. Vierter und Fünfter nach sieben Prüfungen, mit Rückständen von 7,5 bzw. 16,8 Sekunden auf den Führenden. Auf dem Papier eine stabile Lage. Das Problem: Neuville bewertet sein Ergebnis deutlich schlechter, als die Tabelle es widerspiegelt.

Der Belgier klagte den ganzen Tag über starkes Untersteuern seines Hyundai - nicht das Auto, das er von den Tests kannte. „Ich hatte mehr erwartet", sagte er direkt. „Bei den Tests lief das Auto großartig, heute konnte ich dieses Gefühl nicht reproduzieren. Massives Untersteuern. Wir ändern ein paar Einstellungen für morgen und schauen dann." Ogier fuhr ruhiger, ohne Nervosität - er sammelt Punkte über gleichmäßiges Tempo, auch wenn der Abstand zur Spitze einen Kampf ums Podium ausschließt.

Katsuta und Armstrong - zwei Dramen, die die Startaufstellung durcheinanderwirbelten

Ohne zwei Zwischenfälle im hinteren Teil des Feldes würde die Freitagsklassierung völlig anders aussehen. Takamoto Katsuta lag auf Rang sechs hinter Ogier, als auf der sechsten Prüfung sein linker Vorderreifen platzte. Über eine Minute Verlust. Vor dem Service fuhr er die siebte Prüfung gar nicht mehr - zehn Minuten Zeitstrafe, Road-Opener-Pflicht für den gesamten Samstag, Rang elf in der Gesamtwertung. Ogier kommentierte knapp: „Leid für ihn, er hatte Besseres verdient."

Jon Armstrong hatte schon auf der ersten Prüfung Pech. Eine unglückliche Landung nach einem Sprung - Reifenplatzer vorne links, Stoßfänger am Ford Puma M-Sport beschädigt. Der Zeitverlust war so groß, dass er den Freitag 14,5 Sekunden hinter Evans abschloss, obwohl er den Rest des Tages mit ordentlichem Tempo fuhr. „Das Tempo war den ganzen Tag wirklich gut, da können wir zufrieden sein. Schade, was auf der ersten Prüfung passiert ist", sagte Armstrong.

Hauptnutznießer der Katsuta-Misere war Martins Sesks im M-Sport-Ford, der sich durch das Feld arbeitete und den Tag auf Platz sechs beendete - nach Tagesbestzeit auf der vorletzten Prüfung. Er geht mit einer 20-Sekunden-Strafe ins Rennen, die er wegen verspäteter Serviceausfahrt nach einer Kollision mit einer Anti-Cut-Vorrichtung im Shakedown kassiert hatte. Ohne diese Strafe würde er vor Ogier liegen.

Evans - WM-Leader - verliert Zeit als Road Opener

Elfyn Evans beendete den Freitag auf Rang neun mit 49,8 Sekunden Rückstand auf Teamkollege Pajari. Die Zahl klingt schlecht - und ist es auch. Der Waliser fuhr den gesamten Nachmittag als Erster auf die Strecke, was auf estnischen Waldpisten nur eines bedeutet: Man räumt für die Nachfolgenden, anstatt deren Zeiten anzugreifen.

Evans führt die WRC-Weltmeisterschaft 2026 an - daran ändert sich nach dem Freitag nichts. Aber wenn Pajari seinem ersten Karrieresieg entgegenfährt und der Titelrivale nach Tag eins bereits fast 50 Sekunden aufholen muss, wird die Mathematik von Samstag und Sonntag interessant. Evans braucht einen Fehler von Pajari.

WRC2 - Virves führt auf seinem Heimrallye

In der WRC2-Klasse läuft ein eigener Thriller. Robert Virves - Este auf seinem Heimrallye - führt nach dem Freitag mit gerade einmal 2,5 Sekunden vor Titelrivale Teemu Suninen. Roope Korhonen liegt weitere 2,5 Sekunden zurück. In die Top 5 schafften es noch Toyota-Junior Jaspar Vaher sowie Emil Lindholm, der 7,8 Sekunden auf den Führenden verliert.

Der Siegpreis in der WRC2-Kategorie beträgt an diesem Wochenende 50.000 Euro - ein zusätzlicher Grund, warum der Kampf in dieser Klasse so erbittert geführt wird. Fünf Autos auf 7,8 Sekunden nach sieben Prüfungen - am Samstag zählt jede einzelne Sekunde doppelt.

Ausblick: Samstag bringt neun Wertungsprüfungen

Pajari hält einen Puffer von 14,7 Sekunden und die Ruhe eines Fahrers, der jede Prüfung des Tages für sich entschieden hat. Fourmaux liegt 1,8 Sekunden hinter Solberg und hat Hunger auf das Podium. Neuville sucht die Abstimmung, die ihm seinen Testgrip zurückbringt. Evans muss Risiken eingehen.

Katsuta verliert den Samstag als Road Opener - jeder Kilometer, den er als Erster abfährt, ist ein Gewinn für die Fahrzeuge dahinter. Armstrong hat sich nach der ersten Prüfung gefangen und bewiesen, dass er schnell unterwegs ist - dieses Tempo muss er nun in Positionen ummünzen. Sesks liegt ohne seine Strafe nur 24,7 Sekunden hinter dem Leader - echtes Tempo, das ihm bei etwas Glück noch eine höhere Platzierung ermöglichen könnte.

Die Rally Estonia 2026 nimmt erst richtig Fahrt auf. Nach Pajaris perfektem Freitag bleibt nur eine Frage: Ist irgendjemand in der Lage, diese Dominanz zu brechen?

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