WRC-Rückkehr in die USA 2027 - FIA-Bewertung läuft

2026-06-19
WRC-Rückkehr in die USA 2027 - FIA-Bewertung läuft

Seit 1988 ist Amerika von der WRC-Landkarte verschwunden. Damals rollte der Olympus Rally zum letzten Mal als Meisterschaftslauf - und seitdem schauen US-Fans den besten Piloten der Welt nur noch per Livestream zu. Das könnte sich bald ändern: Die FIA hat eine einwöchige Bewertungsreise durch die Vereinigten Staaten abgeschlossen, deren Ergebnis darüber entscheidet, ob Rally US in den Kalender der Saison 2027 aufgenommen wird. Es ist der erste konkrete Schritt nach fast vier Jahrzehnten Pause.

Was hinter dem Projekt Rally US steckt - und wie weit es gediehen ist

Der Plan sieht eine Schotter-Runde rund um Knoxville in Tennessee vor, mit Wertungsprüfungen auf den Landstraßen von Tennessee und dem benachbarten Kentucky. Die FIA-Delegation war vom 11. bis 17. Juni vor Ort, und die Organisatoren sprachen danach von erheblichen Fortschritten auf dem Weg zum Ziel. Entscheidend ist: Die erste formale Hürde des Bewerbungsverfahrens ist genommen.

Bevor eine Rallye in den WRC-Kalender aufgenommen werden kann, muss sie als sogenannter Candidate Event - ein Prüflauf - absolviert werden. Die FIA bewertet dabei Organisation, Infrastruktur und Sicherheitsstandards. Erst ein positives Gutachten öffnet die Tür zum offiziellen Meisterschaftskalender. Für Rally US ist dieser Abschnitt gerade abgeschlossen worden; die FIA wertet nun die gesammelten Daten aus.

Wie die FIA-Delegation ihren Aufenthalt strukturierte

Der gesamte Prozess wurde in Abstimmung mit dem Automobile Competition Committee of the United States (ACCUS) und United States Race Management (USRM) organisiert. Den Auftakt machte die Beobachtung der Southern Ohio Forest Rally - einer Runde der nationalen American Rally Association (ARA). So konnten die FIA-Delegierten zunächst live erleben, wie eine US-amerikanische Rallye auf nationalem Niveau abläuft, bevor sie das ambitioniertere Projekt unter die Lupe nahmen.

Dabei prüften die Delegierten sportliche Abläufe, Sicherheitsprotokolle, die medizinische Versorgung und die operative Struktur der Veranstaltung. Sie arbeiteten direkt mit den ARA-Funktionären und den lokalen Organisatoren zusammen. Dieser Überblick zeigt der FIA, ob ein Team in der Lage ist, eine Rallye nach den Standards durchzuführen, die auf Weltmeisterschaftsebene verlangt werden.

Tennessee und Kentucky im Check - Strecken und Infrastruktur bewertet

Nach Ohio reiste die Delegation in den Süden, nach Tennessee und Kentucky, wo die geplanten WRC-Abschnitte liegen. Die viertägige Bewertung umfasste eine sportliche Analyse und eine Sicherheitsprüfung der vorgeschlagenen Wertungsprüfungsstandorte sowie eine Überprüfung der lokalen Rettungsinfrastruktur. Ohne funktionierende Rettungslogistik hat eine Schotter-Rallye auf höchstem Niveau keine Chance auf Homologation.

Die Delegierten besuchten außerdem den geplanten Service-Park sowie die Zeremonialstart-Locations in Knoxville und Nashville. Dort präsentierten Vertreter des WRC Promoters ihre Konzepte für Fanzonen, Medienproduktion und die übergeordnete Vermarktung der Veranstaltung. Die Schotterpisten der Region - eingebettet in eine markante Landschaft - sind exakt jener Untergrundtyp, auf dem sich das Material der Topteams beweisen muss.

Warum die WRC so dringend nach Amerika zurück will

Die Rückkehr in die USA steht schon lange auf der Entwicklungsagenda der Meisterschaft. Der amerikanische Markt bedeutet ein riesiges Publikum, eine starke Motorkultur und kommerzielles Potenzial, das europäische Runden schlicht nicht ersetzen können. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem bezeichnete die USA als ein Land, in dem Motorsport zur kulturellen DNA gehöre, und bekräftigte das Engagement der FIA, die WRC dorthin zurückzubringen.

Marc de Jong, der das Projekt Rally US auf Seiten des WRC Promoters leitet, betonte noch einen weiteren Aspekt: die Bedeutung von Tennessee und Kentucky für die Automobilindustrie. Die Region beherbergt Fabriken mehrerer Hersteller - ein attraktiver Marketingrahmen für eine Meisterschaft, in der Werksteams gegeneinander antreten. Die Kombination aus anspruchsvollen Strecken, industriellem Hintergrund und begeisterungsfähigem Publikum ergibt ein Bild, das wie geschaffen wirkt für eine spektakuläre WRC-Runde.

Was die Organisatoren von Rally US sagen

Matt Crews, der Promoter von Rally US, beschrieb die Woche der Zusammenarbeit mit FIA und WRC Promoter als außerordentlich wertvoll. Er hob die enge Koordination zwischen dem Rally-US-Team, ACCUS, der ARA und ihren Gegenstücken auf Föderationsseite hervor. Die positive Atmosphäre habe den gesamten dichten Terminplan begleitet - von der Southern Ohio Forest Rally bis zur Besichtigung der Standorte in Tennessee und Kentucky.

Crews sprach offen von erheblichen Fortschritten auf dem Weg zum eigentlichen Ziel: der Rückkehr der WRC nach Amerika. Aus Sicht der Veranstalter ist der abgeschlossene Candidate Event der Beweis, dass das Projekt reif ist für ein ernsthaftes Gespräch mit der FIA. Im nächsten Schritt sollen die Details auf Basis der FIA-Berichte und der Rückmeldungen an das lokale Team ausgearbeitet werden.

Wann fällt die Entscheidung über den Kalender 2027

Die FIA wird alle gesammelten Daten in den kommenden Wochen analysieren und entscheiden, ob die Rallye in den nächsten Meisterschaftskalender aufgenommen werden kann. Der WRC-Kalender wird üblicherweise im Sommer bekanntgegeben - bis dahin müssen sich Fans also gedulden, bevor eine offizielle Bestätigung vorliegt. Erst dann ist klar, ob die Vereinigten Staaten nach mehr als dreißig Jahren Pause auf die Rallye-Weltkarte zurückkehren.

Im Moment ist vorsichtiger Optimismus die angemessene Haltung. Der Candidate Event verlief positiv, und beide Seiten - FIA und Organisatoren - sprechen von einem soliden Fundament. Es ist allerdings erst der erste Schritt eines formalen Verfahrens; das letzte Wort hat die FIA nach Auswertung aller Berichte.

FAQ - WRC-Rückkehr in die USA

Wann fand die letzte WRC-Runde in den USA statt? Der bislang letzte WM-Lauf in den Vereinigten Staaten war 1988 der Olympus Rally. Seitdem ist keine amerikanische Rallye mehr im WRC-Kalender erschienen.

Wo soll die neue WRC-Runde in den USA stattfinden? Das Projekt Rally US plant einen Schotter-Lauf rund um Knoxville in Tennessee, mit Wertungsprüfungen auf den Straßen von Tennessee und Kentucky.

Was ist ein Candidate Event? Ein Candidate Event ist ein Prüflauf, den die FIA positiv bewerten muss, bevor eine Veranstaltung in den WRC-Kalender aufgenommen werden kann. Geprüft werden Organisation, Sicherheit und die operative Infrastruktur.

Wann fällt die Entscheidung für die Saison 2027? Die FIA wertet die Ergebnisse der Reise in den kommenden Wochen aus; der WRC-Kalender wird gewöhnlich im Sommer veröffentlicht.

Warum will die WRC in die USA zurück? Die USA bieten einen großen Markt mit starker Motorkultur und erheblichem kommerziellem Potenzial; Tennessee und Kentucky haben zudem eine hohe Relevanz für die Automobilproduktion.

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